Freitag den 3.Jänner 1862 (No. 2)
Der König ist vorgestern Nachmittag von seiner Reise nach Norwegen im besten Wohlsein hier wieder eingetroffen und hat sofort die vor seiner Abreise unterm 4. d. M. eingesetzte Interims-Regierung aufgelöst. Die Königin und der Prinz August waren dem König eine Strecke entgegengereist. Eine große Volksmenge begrüßte Se. Majestät bei der Ankunft. Die norwegischen Staatsräthe Lange und Brettville, Mitglieder der hiesigen norwegischen Staatsraths-Abteilung, haben am Donnerstag Christiania verlassen und werden heute hier erwartet. Staatsrath Sibbern wird erst nach Neujahr von einem Landsitze bei Drammen nach Stockholm zurückkehren. Der norwegische General-Feldzuegmeister Generalmajor Fleischer, hat Befehl erhalten, sich baldigst nach Stockholm zu begeben, um mit dem schwedischen Feldzeugmeister über die Gegenstände zu konferieren, welche von dem kombinierten schwedisch-norwegischen Artillerie-Komité, welches seine Arbeiten jetzt beendet hat, verhandelt worden. Die schwedischen Mitglieder dieses Komité’s sind von Christania bereits wieder abgereist.
Der spanische Gesandte am portugiesischen Hofe hat die Weisung erhalten, dem Könige Mom Luis das Colier des Ordens vom goldenen Vließe im Namen der Königin Isabella zu überreichen.
Die “Gazz. die Torino” meldet die Demission des Ministeriums mit dem Beisatze, daß der König Viktor Emmanuel den Baron Ricasoli mit der Bildung eines neuen Kabinets beauftragt habe. die “Gaz. d’Italia” veröffentlicht das Namensverzeichniß des neuen Kabinets, es lautet:
Ricasoli, Ministerpräsident ohne Portefeulle; Billamarina, Äußeres; Ratazzi, Inneres; Farina Paolo, Handel und Ackerbau; Cordova, Finanzen; Consorti, Justiz; Desanctis, Unterricht; Ricci, Marine; La Marmora, Krieg; Peruzzi, öffentliche Arbeiten. (Pays.)
Fürst Couza hat nachstehende Proklamation erlassen: “Romanen! Die Union ist vollbracht! Die romanische Nationalität ist begründet. Diese großartige, von den vergangenen Generationen ersehnte, von den gesetzgebenden Körpern ausgerufene, von uns selbst mit Wärme herbeigewünschte That ist von der hohe Pforte und den garantierenden Mächten anerkannt und in das Völkerrecht einverleibt worden. Der Gott unserer Ahnen war mit unserem Vaterlande und mit uns. Er hat unseren Bestrebungen die Kraft verliehen und die Nation einer würdevollen Zukunft entgegengeführt. In den Tagen vom 5. und 24. Jänner (1859) habt Ihr alle Euer Vertrauen in den Erwählten der Nation gesetzt und habt Euere Hoffnungen in einen einzigen Regenten vereinigt. Euer Erwählter gibt Euch heute ein einziges Romanien. Liebt Ihr Euer Vaterland, dann werdet Ihr demselben auch die nöthige Kraft zu verleihen wissen. Es lebe Romanien! Alexander Johann I. In Iassy eröffnete der Fürst die Kammern mit einer Rede, in der er betonte, daß nach dreijähriger Anstrengung die Union der beiden Fürstenthümer erzielt worden, und daß es nun nöthig sei, daß alle Romanen ihre Kräfte zur gemeinsamen Begründung des Wohles ihres Vaterlandes vereinigen; nur wenn dieses geschehe, könne die neue Aera unter glücklichen Auspicien inaugurirt werden. Am meisten hätten bis jetzt die Finanzen zu leiden gehabt und am Schlusse des Jahres 1861 sei noch nicht einmal das Budget für dasselbe votirt; ein so abnormer Zustand könne ohne die äußerste Gefährdung der Staatsinteressen nicht länger bestehen. Ein Rede ähnlichen Inhalts wurde in der Kammer zu Bukurest gehalten. An beide Kammern wurde ferner ein Sendschreiben gerichtet, in welchem die für den 24sten Jänner nach Bukurest einberufen werden und ihnen angezeigt wird, daß die Demission des jetzigen Ministeriums angenommen ist, die Minister aber berufs der Erledigung der laufenden Geschäfte so lange im Amte zu verbleiben haben, bis ein einziges Ministerium für beide Provinzen ernannt werden kann. Die Kammer der Walachei hat eine Loyalitätsadresse an den Fürsten gerichtet.
Rumänien